Gedanken-Gespräche

Sie waren sich immer noch nicht einig

Ein Geburtstag und ein Streit, der längst nicht mehr nur von einem Samstag handelt. Lea spricht mit happinoa® darüber, was Daniel eigentlich hätte hören sollen.

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Ein Paar spricht nach dem Abendessen aufmerksam miteinander.

„Er hört mir einfach nicht zu.“

Lea schrieb den Satz und sah ihn einen Moment lang an.

Dann schickte sie ihn ab.

happinoa® antwortete:

„Was hätte Daniel gehört, wenn er dir wirklich zugehört hätte?“

Lea musste nicht lange überlegen.

„Dass es mir nicht um diesen blöden Samstag geht.“

Der „blöde Samstag“ war der Geburtstag von Daniels Mutter.

70 Jahre.

Große Feier. Restaurant. Fast vierzig Gäste.

Daniel hatte seiner Mutter vor Wochen zugesagt, dass sie selbstverständlich beide kommen würden.

Lea hatte am selben Wochenende eine Fortbildung.

Keine Pflichtveranstaltung. Niemand zwang sie hinzugehen. Aber sie hatte sich seit Monaten darauf gefreut.

Als sie Daniel davon erzählt hatte, hatte er nur gesagt:

„Dann sagst du eben ab. Meine Mutter wird nur einmal 70.“

Für Daniel war damit eigentlich alles gesagt.

Für Lea begann der Streit genau dort.

„Warum entscheidest du das einfach für mich?“

„Ich entscheide doch gar nichts. Es ist der 70. Geburtstag meiner Mutter.“

„Und deshalb ist automatisch klar, was ich mache?“

„Lea, bitte. Es ist ein Geburtstag.“

„Eben.“

Danach war aus dem Geburtstag ziemlich schnell etwas geworden, das mit einem Geburtstag kaum noch etwas zu tun hatte.

„Was hätte Daniel also hören sollen?“, fragte happinoa®.

Lea schrieb:

„Dass meine Sachen auch wichtig sind.“

Sie wartete.

Dann ergänzte sie:

„Nicht wichtiger als seine Mutter. Einfach wichtig.“

happinoa® antwortete:

„Dann scheint dich weniger seine Erwartung zu treffen, dass du mitkommst, als die Selbstverständlichkeit, mit der deine eigene Planung dabei verschwunden ist.“

Lea las den Satz zweimal.

„Ja.“

Dann:

„Genau das.“

Sie schrieb weiter.

„Wenn er gesagt hätte: Meine Mutter würde sich wahnsinnig freuen, wenn du dabei bist. Können wir überlegen, ob es irgendeine Möglichkeit gibt? Dann wäre das etwas völlig anderes gewesen.“

„Vielleicht sogar mit demselben Ergebnis?“

Lea hielt inne.

„Vielleicht.“

Das überraschte sie.

„Ich könnte die Fortbildung wahrscheinlich sogar an einem anderen Termin machen.“

„Dann geht es dir tatsächlich nicht nur darum, was am Samstag geschieht.“

„Nein.“

Lea legte das Telefon kurz zur Seite.

Dann nahm sie es wieder.

„Es geht darum, ob ich überhaupt vorkomme.“

Daniel sah die Sache anders.

Sehr anders.

Am nächsten Abend sagte er:

„Du tust so, als würde ich ständig über dein Leben bestimmen.“

„Das habe ich nicht gesagt.“

„Aber genau so klingt es.“

„Weil du nicht verstehst, worum es mir geht.“

Daniel lachte kurz.

Nicht freundlich.

„Natürlich. Ich verstehe es wieder nicht.“

Lea spürte, wie sie sofort antworten wollte.

Sie tat es nicht.

Der Satz vom Vorabend war noch da.

Es geht darum, ob ich überhaupt vorkomme.

„Okay“, sagte sie. „Wie verstehst du es denn?“

Daniel sah sie misstrauisch an.

„Was?“

„Den Streit.“

„Ernsthaft?“

„Ja.“

Daniel lehnte sich zurück.

„Ich glaube, dass du aus einer völlig normalen Sache eine Grundsatzfrage machst.“

Lea wollte widersprechen.

Diesmal ließ sie ihn weiterreden.

„Meine Mutter wird 70. Für mich ist völlig selbstverständlich, dass wir da zusammen hingehen. So wie ich selbstverständlich mit zu den wichtigen Sachen in deiner Familie komme.“

„Aber darum geht es doch gar nicht.“

Daniel sah sie an.

„Für mich schon.“

Da waren sie wieder.

Zwei Menschen.

Ein Samstag.

Und offenbar zwei völlig verschiedene Gespräche.

Später öffnete Lea happinoa® noch einmal.

„Ich habe Daniel gefragt, wie er unseren Streit versteht.“

„Und?“

„Komplett anders.“

Sie erzählte von dem Gespräch.

happinoa® antwortete:

„Wenn ich Daniel nur aus dem wiedergebe, was du gerade von ihm erzählst, könnte sein Gedanke ungefähr lauten: Bei wichtigen Dingen stehen wir als Paar selbstverständlich füreinander und für unsere Familien ein. Und dein Zögern fühlt sich für ihn möglicherweise so an, als würdest du genau diese Selbstverständlichkeit infrage stellen.“

Lea spürte Widerstand.

„Aber ich stelle unsere Beziehung doch überhaupt nicht infrage.“

„Das sage ich auch nicht. Ich versuche gerade, seinen Gedanken neben deinen zu stellen.“

Lea las weiter.

„Deiner könnte lauten: Gerade weil wir ein Paar sind, möchte ich mit meinen eigenen Dingen weiterhin vorkommen und nicht selbstverständlich mitentschieden werden.“

Lea antwortete:

„Ja.“

Dann sah sie beide Sätze noch einmal an.

Sie mochte Daniels Satz nicht besonders.

Aber zum ersten Mal klang er nicht einfach nur rücksichtslos.

„Ich glaube, er denkt wirklich so.“

„Was verändert das für dich?“

„Dass ich ihn immer noch falsch finde.“

happinoa® antwortete:

„Das darfst du.“

Lea musste lachen.

„Danke.“

Am Donnerstagabend saßen sie beim Essen.

Der Geburtstag war inzwischen nur noch zwei Wochen entfernt.

Daniel fragte:

„Hast du die Fortbildung eigentlich abgesagt?“

Lea legte die Gabel hin.

„Noch nicht.“

Daniel verdrehte die Augen.

„Lea …“

„Warte.“

Er schwieg.

„Ich glaube, ich verstehe inzwischen, warum dich das so aufregt.“

Daniel sah sie an.

„Aha.“

„Für dich bedeutet dieser Geburtstag nicht einfach nur, dass deine Mutter 70 wird.“

„Sondern?“

Lea suchte nach den richtigen Worten.

„Dass wir bei solchen Dingen zusammengehören. Dass man bei wichtigen Sachen füreinander da ist. Und dass du gar nicht darüber nachdenkst, ob du bei so etwas hingehst. Du gehst einfach.“

Daniel sagte zunächst nichts.

Dann nickte er.

„Ja.“

Lea nahm ihre Gabel wieder in die Hand.

„Ich sehe das trotzdem anders.“

Daniels Gesicht veränderte sich sofort.

„Dann sind wir wieder am Anfang.“

„Nein.“

„Was ist denn jetzt anders?“

Lea überlegte.

„Vielleicht, dass ich nicht mehr glaube, dass dir meine Fortbildung egal ist.“

Daniel sah sie an.

„Ist sie mir auch nicht.“

„Aber du glaubst trotzdem, dass ich sie absagen sollte.“

„Ja.“

„Und ich finde trotzdem, dass du das nicht einfach voraussetzen kannst.“

„Ja.“

Sie sahen sich an.

Dann mussten beide lachen.

Nicht lange.

Der Streit war schließlich nicht verschwunden.

Am nächsten Morgen kam eine Nachricht von Daniel.

Habe mit meiner Mutter gesprochen. Sie fragt, ob wir am Sonntag nach der Feier mit ihr frühstücken wollen, wenn du Samstag später kommst.

Lea las die Nachricht.

Dann noch einmal.

Sie öffnete den Kalender und sah nach dem Ende ihrer Fortbildung.

17.30 Uhr.

Das Restaurant war knapp eine Stunde entfernt.

Sie tippte:

Könnte gegen 19 Uhr da sein.

Daniel antwortete:

Dann verpasst du die Rede meines Onkels.

Lea:

Jetzt überzeugst du mich endgültig.

Drei Punkte erschienen.

Dann:

Wir sind uns trotzdem noch nicht einig, oder?

Lea lächelte.

Nein.

Kurz darauf kam Daniels Antwort.

Gut. Dann weiß ich wenigstens, worüber.

Vielleicht möchtest du einen eigenen Gedanken ins Gespräch bringen.

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