Die Kündigung war fertig.
Name, Anschrift, Personalnummer, Datum.
Sogar die Formulierung hatte Michael dreimal überprüft.
Hiermit kündige ich mein bestehendes Arbeitsverhältnis fristgerecht zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
Darunter fehlte nur noch seine Unterschrift.
Seit vier Monaten lag die Datei auf seinem Computer.
Kuendigung_final.docx
Zwei Wochen später hatte er eine zweite Version angelegt.
Kuendigung_final_neu.docx
Inzwischen gab es fünf.
Michael war 54 und seit siebzehn Jahren im Unternehmen.
Wenn ihn jemand gefragt hätte, warum er gehen wollte, hätte er genügend Antworten gehabt.
Zu viele Besprechungen. Entscheidungen, die immer länger dauerten. Ein neuer Vorgesetzter, mit dem er wenig anfangen konnte. Und seit der Umstrukturierung hatte er immer häufiger das Gefühl, mehr zu verwalten als zu gestalten.
Also suchte er Stellenangebote.
Einige waren interessant.
Bei zweien hatte er sich sogar beworben.
Als die erste Einladung zum Vorstellungsgespräch kam, freute er sich.
Als die zweite kam, wurde er unruhig.
Am Abend öffnete Michael happinoa®.
„Ich weiß nicht, ob ich kündigen soll.“
happinoa®
„Was macht die Entscheidung gerade so schwer?“
„Dass ich nicht weiß, ob ich einen Fehler mache.“
happinoa®
„Dann könnten wir versuchen herauszufinden, welche der beiden Möglichkeiten sich für dich wie der größere Fehler anfühlt.“
Michael dachte nach.
„Wenn ich bleibe und in zwei Jahren merke, dass ich zwei Jahre verschenkt habe.“
Dann schrieb er:
„Aber wenn ich gehe und merke, dass ich etwas aufgegeben habe, das eigentlich ziemlich gut war, wäre das genauso schlimm.“
happinoa®
„Du hast mir gerade viel darüber erzählt, was dich zum Gehen bringt. Was könnte dich zum Bleiben bringen?“
Michael wollte schon antworten:
„Die Sicherheit.“
Er schrieb das Wort.
Löschte es wieder.
„Meine Leute.“
happinoa®
„Wer sind deine Leute?“
Michael lächelte.
„So nenne ich mein Team.“
Sie waren zu sechst.
Mit Petra arbeitete er seit fast zwölf Jahren zusammen. Jonas hatte er selbst eingestellt. Als dessen Tochter geboren wurde, hatte das ganze Team morgens um sieben vor der Klinik gestanden und ein völlig misslungenes Transparent hochgehalten.
Michael erzählte von einem Projekt im vergangenen Jahr.
Drei Monate waren sie fast täglich gemeinsam in einem kleinen Besprechungsraum verschwunden. Es war anstrengend gewesen.
Und ziemlich gut.
„Das fehlt mir“, schrieb er.
happinoa®
„Dein Team?“
Michael sah die Frage an.
„Nein. Die sind ja noch da.“
Er dachte weiter.
„Das gemeinsame Entwickeln.“
Jetzt war er selbst überrascht.
happinoa®
„Dann möchtest du vielleicht nicht nur von etwas weg. Dir fehlt auch etwas, das einmal da war.“
Michael lehnte sich zurück.
Das klang anders.
Am nächsten Tag hatte er das zweite Vorstellungsgespräch.
Gutes Unternehmen.
Sympathische Geschäftsführerin.
Mehr Gehalt.
Interessante Aufgabe.
Auf dem Heimweg versuchte Michael sich vorzustellen, dort zu arbeiten.
Es gelang ihm erstaunlich gut.
Am Abend öffnete er die Kündigung.
Er änderte das Datum.
Dann blieb der Cursor unter der letzten Zeile stehen.
Michael unterschrieb nicht.
Stattdessen öffnete er happinoa®.
„Das Gespräch heute war gut. Ich könnte mir vorstellen, dort zu arbeiten.“
happinoa®
„Und trotzdem hast du die Kündigung noch nicht unterschrieben.“
„Nein.“
happinoa®
„Was fehlt dir noch?“
Michael ärgerte sich über die Frage.
„Genau das versuche ich doch seit Monaten herauszufinden.“
Ein Moment verging.
Dann schrieb er:
„Vielleicht will ich wissen, ob das, was mir hier fehlt, wirklich weg ist.“
Er las den Satz noch einmal.
happinoa®
„Wie könntest du das herausfinden?“
Am nächsten Morgen stand Michael vor dem Büro seines Vorgesetzten.
„Hast du zehn Minuten?“
„Klar.“
Michael setzte sich.
Zum ersten Mal erzählte er nicht davon, was ihn alles störte.
Er erzählte von dem, was ihm fehlte.
Vom Entwickeln.
Von Verantwortung, die mehr bedeutete als Abläufe zu verwalten.
Von seinem Team.
Sein Vorgesetzter hörte lange zu.
Dann sagte er:
„Ich dachte, du willst genau das nicht mehr.“
Michael sah ihn an.
„Wie kommst du darauf?“
„Weil du dich aus den neuen Projekten immer mehr rausgehalten hast.“
Michael schwieg.
Das stimmte.
Nur hatte er es anders gesehen.
Er hatte sich zurückgezogen, weil er glaubte, ohnehin nichts mehr gestalten zu können.
Sein Vorgesetzter hatte seinen Rückzug offenbar als Wunsch verstanden.
Sie redeten fast eine Stunde.
Als Michael zurück an seinen Schreibtisch kam, war nichts entschieden.
Die andere Stelle gab es weiterhin.
Die Gründe zu gehen auch.
Er öffnete den Ordner mit seinen fünf Kündigungen.
Dann legte er einen neuen Ordner an.
Er nannte ihn:
Was ich behalten möchte
Die Kündigung verschob er nicht hinein.
Dort gehörte sie nicht hin.